Großformatige Ausdrucke einer aktuellen Serie des in Wien lebenden Künstlers Arnold Berger grüßen Klagenfurt. Sie laden zur Reflexion über Bewegung, Ankunft und gemeinsames Warten ein. Das titelgebende Gedicht von Adrian Koyemann bezieht sich sowohl auf die Arbeiten – auf die Äste, auf denen die Vögel sitzen und ‚rasten‘. Außerdem stellt es einen Bezug zum Ort, dem Busbahnhof, her.

(r)astgemeinschaft

wer bist du
teilst du meinen weg
begegnest du mir
blicke flattern
entwischt sind wir, der welt von gestern
hierhin und heute
derselbe baum, der uns den schatten schenkt
unsere grenzen fließen, wenn wir schwärmen
vorbeiblitzende gesichter
ein unscharfer körper
ein lächeln
schau wie schön sind meine federn
siehst du mir beim fliegen zu
ich kann es so gut
ich bin dir ein fremder
aber es ist derselbe bus
wohin du wohl fliegst
wie du in der sonne glitzerst
wie schön du bist
ich will dich lieben
damit es dir leichter fällt

Adrian Koyemann, 2025

Vernissage12.12.2025 um 16 Uhr am Busbahnhof, die Künstler sind anwesendOrtBusbahnhof Klagenfurt, Bahnhofstraße, GeyergasseDauerDezember 25 - März 26KünstlerArnold Berger, Text: Adrian KoyemannVeranstalterKULTURPROJEKTERUnterstützerBildrecht, Fräulein Rosa, Alpenland Garagen GmbH, WMS DruckFotos© Johannes PuchLinksarnoldberger.atKontaktKULTURPROJEKTERDownloadWerkliste

(r)astgemeinschaft

Mit der Eröffnung der Koralmbahn beginnt eine neue Ära der Mobilität zwischen Kärnten und der Steiermark. Während der Fokus auf Geschwindigkeit, Effizienz und Vernetzung liegt, richtet (r)astgemeinschaft den Blick auf das Gegenteil: Auf das Innehalten, das Warten, das Dazwischen. Das Projekt lädt dazu ein, das Warten, Ankommen und Verweilen neu zu denken. Zwischen Ankunft und Aufbruch entsteht ein Moment der Rast. Dies ist kein offizieller Festschmuck, sondern eine Reflexion über Bewegung, Stillstand und Gemeinschaft.

Es ist ein poetischer Gegenentwurf zur Beschleunigung: eine Einladung, dem Warten Bedeutung zurückzugeben. Die Arbeiten von Arnold Berger und der literarische Beitrag Adrian Koyemanns zeigen, dass selbst in einer Welt, die sich immer schneller dreht, kleine Resonanzen entstehen können – zwischen Menschen, Orten und Geschichten. (r)astgemeinschaft versteht sich als Beitrag zu einer Kultur, die dem Öffentlichen wieder mehr Tiefe zutraut. 
Der Bahnhof wird so zum sozialen Resonanzraum, nicht nur zur Infrastruktur.

Über die Künstler

Arnold Berger, in Kärnten geboren und aufgewachsen, studierte Physik und Philosophie und lebt heute als bildender Künstler in Wien. Seit 2009 widmet er sich vor allem der Malerei. Seine Arbeiten versteht er als poetische Vorlagen – auch für sich selbst. Sie sollen etwas zur Sprache bringen, das nicht einfach nur die Dinge benennt. Er sieht sie als eine Möglichkeit, sich dem Leben Schritt für Schritt zu nähern und die Welt zu eröffnen. Die Werke stehen dabei stets in einem größeren Zusammenhang.

Adrian Koyemann, der nicht einfach nur beschreibt, sondern entbirgt, wurde am Bodensee in Kindau geboren. Er lebt in Wien, studierte Philosophie und arbeitet als freier Schriftsteller; er schreibt Lyrik und kurze Prosa. Die Arbeit, die Dichtung, soll uns in eine Nähe bringen, indem sie die Fraglichkeit der Beziehung der Gemeinschaft, der (r)astgemeinschaft, wachhält.

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